Neuste Entwicklungen heute im Mordfall Fabian: Diese schockierende Wendung könnte alles verändern!
Im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow will die Angeklagte Gina H. aussagen. Mehrere Szenarien sind denkbar.

Seit dem 28. April steht Gina H. vor Gericht. Stets sitzen zahlreiche Zuschauer und Medienvertreter im großen Saal des Landgerichts Rostock. Sie alle erhoffen sich Antworten darauf, wer den achtjährigen Fabian aus Güstrow im Oktober vorigen Jahres mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet hat. Die Staatsanwaltschaft glaubt, Gina H., die Partnerin von Fabians Vater, sei die Täterin.
Am 24. August (ab 9.30 Uhr, t-online berichtet im Liveticker) will sie ihr Schweigen brechen – und erstmals aussagen. Welche Szenarien sind wahrscheinlich, welche nicht? Und muss Gina H. die Wahrheit sagen? Ein Überblick.
Fall Fabian: Szenario 1 – ein Geständnis
Gina H. könnte den Mord am kleinen Fabian gestehen. Fabians Mutter und auch die anderen Prozessbeteiligten erhielten damit Gewissheit, wer den Achtjährigen getötet und angezündet hat. Allerdings gilt dieses Szenario als äußerst unwahrscheinlich. Gina H.s Verteidiger hatten in der Vergangenheit mehrfach betont, dass Gina H. kein Geständnis ablegen werde. Sie bestreitet, etwas mit dem Mord an Fabian zu tun zu haben. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Sollte sie tatsächlich die Täterin sein, würde ihr ein Geständnis aber auch keine nennenswerten Vorteile bringen. Für Mord sieht das Strafgesetzbuch eine lebenslange Freiheitsstrafe vor, einen Spielraum hat das Gericht bei einem Geständnis also nicht.
Fall Fabian: Szenario 2 – Gina H. präsentiert einen anderen Tatverdächtigen
Sollte Gina H. unschuldig sein, bliebe die Frage offen, wer den Achtjährigen getötet hat – und mit welchem Motiv. Nicht vollends ausgeschlossen ist demnach, dass Gina H. einen anderen möglichen Tatverdächtigen präsentieren oder zumindest andere Personen aus ihrem Umfeld belasten könnte. Bereits am 22. Prozesstag hatten die Verteidiger etwa angeregt, das Alibi von Fabians Vater für den Tag der Tat, den 10. Oktober vorigen Jahres, noch einmal prüfen zu lassen. Gegen Matthias R. wird bereits ermittelt – wegen Falschaussage vor Gericht, keinesfalls wegen einer Beteiligung an dem Mord. Auch sonst haben sich bislang keinerlei Verdachtspunkte gegen den Vater ergeben.

Dass Gina H. tatsächlich Matthias R. beschuldigt, gilt aber nicht nur deshalb als unwahrscheinlich. Fabians Vater ist aus Sicht der Verteidigung der bislang wichtigste Zeuge im Fabian-Prozess. Er glaubt nach eigenen Worten fest an die Unschuld der Angeklagten und beschrieb die 30-Jährige als liebevoll. Am dritten Prozesstag sagte er: “Ich weiß kein Motiv, warum sie das hätte gemacht haben sollen. Dafür kenne ich diese Frau zu lange. So etwas könnte sie gar nicht bewerkstelligen.”

Fall Fabian: Szenario 3 – Gina H. entkräftet belastende Aussagen
Die für die Schuldfrage bislang wichtigsten Zeugen im Fabian-Prozess sagten am elften und zwölften Prozesstag vor dem Landgericht Rostock aus: die beiden Tümpelzeugen Christian D. und Olaf K. Sie sind Bekannte von Gina H. und gaben vor Gericht an, von der 30-Jährigen bereits vor dem offiziellen Auffinden zur Leiche des Jungen an einen abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl geführt worden zu sein. Gina H. habe vorgeschlagen, genau dort nach dem Jungen zu suchen. Vor Gericht sagte Christian D.: “Ich fühlte mich benutzt, dass ich da meine Spuren hinterlassen soll.” Und er betonte: “Die Suche am Tümpel wirkte nicht zufällig, sondern gezielt.”

Die Aussagen lassen auf mögliches Täterwissen bei Gina H. schließen. Umso wichtiger dürfte es für die Verteidigungsstrategie sein, die Glaubwürdigkeit der beiden Tümpelzeugen infrage zu stellen. Bereits am Ende des elften Prozesstags nahmen die Verteidiger Christian D. ins Kreuzverhör. In Detailfragen geriet der Zeuge ins Schwimmen, woraufhin Anwalt Thomas Löcker ankündigte: “Dann warten wir mal ab, was Frau H. später dazu sagt.” Dass Gina H. Zweifel an den Aussagen der Tümpelzeugen säen wird, gilt als wahrscheinlichstes Szenario.
Auch dürfte Gina H. versuchen, einzelne Indizien zu entkräften. Von großer Bedeutung ist dabei der Ablauf des Tattags, des 10. Oktobers. Rechtsanwalt Andreas Ohm hatte bereits Anfang August die von der Staatsanwaltschaft zugrunde gelegten Zeitabläufe an diesem Tag in Zweifel gezogen. Er forderte die Erstellung eines Bewegungsprofils des Autos von Christian D., mit dem sich Gina H. nach dem Mord gegen 13 Uhr am Bolzsee, rund neun Kilometer Luftlinie vom Tatort entfernt, getroffen haben soll. Nach dem Treffen soll Gina H. zurück zur Leiche gefahren sein und diese angezündet haben. Um 15 Uhr fotografierte eine Zeugin mutmaßlich die brennende Leiche. Laut einem Gutachter dürfte das Feuer zum Zeitpunkt des Fotos schon etwa anderthalb Stunden gebrannt haben. Je nachdem, wie lange das Treffen von Gina H. mit Christian D. am Bolzsee tatsächlich angedauert hat, könnten sich Zweifel am genauen Ablauf der Tat ergeben
Wie wird die Einlassung im Fall Fabian ablaufen?
Für den 22. Prozesstag im Mordfall Fabian sind keine Zeugen geladen – das Gericht hat den Tag für die Einlassung der Angeklagten Gina H. reserviert. Ihr Verteidiger Thomas Löcker sagte t-online, er rechne mit etwa zwei Stunden. Fragen sollen anschließend sehr wahrscheinlich nicht zugelassen werden. Geplant sei, dass Gina H. die mit ihren Verteidigern vorbereitete Einlassung, die mehrere Dutzend Seiten umfassen wird, selbst vorträgt.
Muss Gina H. die Wahrheit sagen?
Nein, Angeklagte dürfen – anders als Zeugen – grundsätzlich lügen. Für die Verteidigung ist eine Aussage aber in jedem Fall auch ein Risiko. Alles, was Gina H. sagt, könnte auch gegen sie verwendet werden. Ein Schweigen darf der Angeklagten hingegen prinzipiell nicht negativ ausgelegt werden.
Was hält Fabians Mutter von der geplanten Aussage?

Dorina L., die Mutter des getöteten Fabian, verfolgt den Prozess von Beginn an als Nebenklägerin und sitzt Gina H. im Gerichtssaal direkt gegenüber. Profiler Axel Petermann sagte t-online, er rechne damit, dass die Aussage für Fabians Mutter zur Belastung werden könnte. Die Anwältin von Dorina L., Christine Habetha, widerspricht. Zu t-online sagte sie: “Meine Mandantin ist von den Schilderungen der Angeklagten mittlerweile abgehärtet. Sie kann nichts erschüttern.” Fragen habe sie an die 30-Jährige nicht mehr. “Sie sitzt im Gerichtssaal und tut so, als ob sie das alles nichts angehen würde”, so Habetha.
Aus Sicht der Anwältin hat sich die Indizienkette inzwischen derart geschlossen, “dass sie auch durch eine noch so krude Aussage von Gina H. nicht erschüttert werden wird”. Fabians Mutter mache sich dahingehend keine Sorgen.









